
X. KiTa-Kongress am 20.08.2026 :Wir gestalten die Zukunft - auf dem Weg in eine kinderorientierte, chancengerechte Gesellschaft!
Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte Prof. Dr. Armin Schneider, Leiter des IBEB, ein gemischtes Publikum aus der heterogen vertretenen Kita-Landschaft. Akteure aus allen Bereichen verfolgten aus ihren unterschiedlichen Perspektiven das Eröffnungspodium, das dem Programm „Wir gestalten die Zukunft - auf dem Weg in eine kinderorientierte, chancengerechte Gesellschaft!“ nachspürte. Neben Prof. Dr. Karl Stoffel, Leiter der Hochschule Koblenz und Prof. Dr. Paul Krappmann, Fachbereichsleiter Sozialwissenschaft der Hochschule Koblenz teilte Staatssekretärin Jennifer Groß ihre Gedanken: Bildungsgerechtigkeit soll in Rheinland-Pfalz auch weiterhin eine übergeordnete Rolle spielen, daher soll die Beitragsfreiheit unter der neu gebildeten Rheinland-Pfälzischen Regierung erhalten bleiben. Kita-Sozialarbeit sowie die Bereitstellung des Sozialraumbudget haben große Wirkung sowie Erfolge erzielt, weshalb man hier in den nächsten Jahren weiter anknüpfen möchte. Noch weiter in den Fokus genommen werden soll zudem die Gestaltung von Übergängen im Sinne von Bildungsbiographien.
Als wichtigste Aufgabe ihres neu besetzten Ministeriums, beschrieb Frau Groß „zuhören und vertrauen“, da dies widergespiegelt die gleiche Aufgabe darstellt, die unsere Mitarbeitenden der Kindertagesstätten gegenüber Kindern, Eltern und Familien im Alltag wahrnehmen.
Im weiteren Verlauf des Kongresses bahnte sich ein Begriff in vielen Themenbereichen immer wieder einen Weg ins Zentrum der Gespräche: die Verantwortungsgemeinschaft.
Wie schaffen wir es, uns alle gemeinsam als Verantwortungsgemeinschaft zu begreifen? Diesen Fragen gilt es nachzuspüren und in unseren jeweiligen Fachbereichen mit dem Wissen, dass Selbstwirksamkeitserfahrung Resonanz bildet, Raum zu geben.
In einem erfrischenden Vortrag von Referent Rainer Orban „Mutig sein, vom Kind aus denken: Systemische Kinder- und Jugendhilfe zwischen Kita, Armutslagen und politischem Auftrag“ kreierte sich schnell ein Sinnbild des Tages dafür, was wir 2026 in der Kitalandschaft eigentlich bräuchten: offene Türen und Vorhänge mit durchlüftendem Wind. Oder wie Orban beschreibt: eine Praxis der (R-)Evolution.
Selbstkritisch müssen wir uns zeitgemäßen Fragen, die sich am aktuellen Forschungsstand oirientieren, stellen.
Warum machen wir den gleichen Morgenkreis wie vor 20 Jahren?
Warum sehen wir immer noch Kinder in Kitas, die durch zugemalte Fensterscheiben nicht rausgucken können?
Warum drangsalieren wir immer noch Familien, die ihren Kindern morgens ein eingeschweißtes süßes Croissant vom Discounter einpacken?
Treffsicher formuliert Orban die vielen Bemühungen mit Veränderungen unseres Fachfeldes und der Familien in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken: „Mit Blick nach hinten, können wir keine Zukunft gestalten. Wir müssen heute tun, was wir morgen brauchen.“
Mein persönlicher Lieblingssatz des Vortrages, der die Komplexität unseres Berufsfeldes mit einer wunderbaren Prise Humor beschreibt: „Menschen sind halt nicht von der Stange.“
Doch bei unseren eigenen Herausforderungen macht Orban nicht Halt, sondern stellt Bezüge zur Kinder- und Jugendhilfe sowie zum aktuelle Zeitgeschehen auf Bundesebene her.
Orban zeigt auf, dass entgegen der derzeitigen Haltung unserer Bundespolitik „Kosten“ in der frühen Bildung wissenschaftlich belegt volkswirtschaftliche Interventionen sind.
Herauszuheben ist auch eine aufgezeigte Prämisse, auf die wir mit unserem katholischen Träger seit Jahren hinzuweisen: Politisch wird häufig Intervention als Prävention betrachtet. Dadurch geht der echte Gedanke der Prävention verloren und wirkt wie ein add on oder eine Kann-Leistung der Systeme, die sie weder ist noch sein sollte. Erst wenn wir im System der frühen Bildung ausreichend Ressourcen für wirkliche Prävention erhalten, werden frühe Hilfen dort ankommen, wo sie gebraucht werden und unser gesellschaftliches System nachhaltig stabilisieren.
Orban schließt mit einem Appell, den ich gerne aufgreife und für sich selbst sprechen lasse:
„Seid mutig. Steht gerade und arbeitet aufrichtig. Seid mutig.“
Was können wir für uns als Träger von diesem inspirierenden Tag mitnehmen? Neben dem fachlichen Austausch mit so vielen unterschiedlichen Akteuren aus dem Bereich der frühen Bildung konnten bestehende Verbindungen zu unseren kollegialen Partnern der anderen Bistümer und weiterer freier Träger in Rheinland-Pfalz aufgefrischt werden. Auch ist das Zusammentreffen aus Theorie und Praxis an der Hochschule mit Prof. Dr. Ralf Haderlein immer ein Gewinn für ein so breit gefächertes Publikum.
Als individuelle Idee für unsere weitere Arbeit können wir aufgreifen, unsere vorhandenen Schutzkonzepte aus Kinderperspektive zu prüfen. Die allermeisten Inhalte lassen sich kindgerecht transportieren und diskutieren. Selbstkritisch prüfen können wir, ob die Kinderperspektive zu diesem wichtigen Thema aus erwachsenen Sicht gedacht oder sie aktiv beteiligt eingeholt wurde und bei Bedarf kinderorientiert anpassen.
Das Tagesgeschehen aus Koblenz zusammengefasst hat für Sie
Felicitas Berneit