
Beitrag Pädagogik :Leitfaden: „Verhalten, das herausfordert“
Andrea stört schon wieder die anderen beim Rollenspiel. Sie nimmt einfach deren Spielmaterial weg und rennt damit durch den ganzen Raum.
Sie kennen diese oder ähnliche Situationen aus Ihrem Alltag? Und Sie sind versucht zu sagen: typisch. Oder Sie denken: Wie soll ich mit diesem Verhalten denn in so einer großen Gruppe klarkommen? Das sprengt mir jedes Mal den Rahmen …
Jedes Verhalten hat einen Sinn – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen. Für das Kind ist es subjektiv sinnvoll, denn es drückt aus, was Worte nicht leisten können: den Wunsch nach Sicherheit, Nähe, Orientierung oder Selbstwirksamkeit. Manchmal steckt Überforderung dahinter, manchmal fehlende Struktur oder emotionale Belastung.
Wenn Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden, sucht das Kind einen anderen Weg, sich mitzuteilen. Verhalten wird zur Fremdsprache – und wir sind die Übersetzer. Fremdsprachen sind nicht leicht zu lernen, und so ist es auch mit Verhalten: Nicht immer treffen wir im übertragenen Sinne den richtigen Ton. Doch pädagogische Qualität zeigt sich darin, hinzuhören, bevor wir reagieren – und im besten Fall das unerfüllte Bedürfnis zu erkennen und zu stillen. Wer den Sinn hinter dem Verhalten erkennt, verhindert Eskalationen und schafft Teilhabe. Das bedeutet: nicht bewerten, sondern verstehen. Es heißt, Alternativen anzubieten – klare Strukturen, verlässliche Beziehungen und sichere Räume – und gemeinsam im Team sowie mit Eltern Lösungen zu entwickeln, zum Wohle des Kindes und der gesamten Gemeinschaft.
Im Unikathe Kita-Zweckverband sehen wir jedes Kind als Unikat. Vielfalt, Würde, Teilhabe und Schutz sind unser Maßstab. Herausforderndes Verhalten ist kein Makel, sondern ein Hilferuf – eine Einladung, hinzuschauen, zu verstehen und Wege zu finden. Denn jedes Kind hat das Recht, gehört, gesehen und gehalten zu werden – gerade dann, wenn für es die Welt zu zerbrechen scheint.
Verhalten ist Kommunikation. Wir antworten pädagogisch – nicht mit Strafe.
Dieses Thema beschäftigt viele Teams. Deshalb ist Unikathe dabei, gemeinsam mit Fachberatung, Qualitätsstelle, Prävention und Intervention, Pastoraler Begleitung, Geschäftsträgern und Regionalleitungen einen praxisnahen Leitfaden weiterzuentwickeln. Er bietet Orientierung, wie wir Verhalten als Ausdruck verstehen und professionell beantworten können.
Buchtipp:
„Das schwierige Kind?“ von Andrea Tures (Hrsg.), Cornelsen 2025 – Ein Impuls, der die Perspektive verändert.
Kontakt:
Yvonne Emmel
Telefon: 06131 253 9568
E-Mail: yvonne.emmel@bistum-mainz.de