
Dass wir uns für diesen Preis beworben haben, hatte vor allem einen Grund: In den vergangenen vier Jahren hat sich unsere Kita auf besondere Weise weiterentwickelt. Gemeinsam mit Kindern, Familien, Mitarbeitenden und vielen Menschen aus unserer Gemeinschaft ist ein Weg entstanden, der geprägt war von Wachstum, Reflexion, Beteiligung und einer immer klarer werdenden pädagogischen Haltung. Dieser Weg hat unsere Einrichtung verändert und vor allem gezeigt, was möglich wird, wenn Kinder ernst genommen und aktiv beteiligt werden.
Umso überwältigender ist es für uns, dass diese Entwicklung nun auch auf Bundesebene gesehen und wertgeschätzt wird.
Im Jahr 2022 haben wir begonnen, die Qualität unserer pädagogischen Arbeit systematisch weiterzuentwickeln. Gemeinsam haben wir Prozesse überarbeitet, Strukturen geschaffen, Abläufe reflektiert und Qualitätsstandards festgehalten. Das Ziel unserer ersten Qualitätskonferenz im Jahr 2022 war es, bis 2024 alle Anforderungen für das Bistumssiegel des Bistums Mainz zu erfüllen und als „Kinder- und Familienzentrum“ zertifiziert zu werden.
Dieses Ziel konnten wir nach intensiver Entwicklungsarbeit erfolgreich erreichen: Im Juli 2024 wurden wir nach einem umfangreichen Audit offiziell zertifiziert.
Doch viel wichtiger als das Zertifikat selbst war für uns die Erfahrung, was gute qualitative Arbeit tatsächlich bewirken kann. Wir konnten beobachten, wie Kinder selbstbewusster wurden, sich stärker beteiligten, ihre Meinungen äußerten und ihren Alltag aktiv mitgestalteten. Diese sichtbaren Veränderungen haben uns bewegt und motiviert, unseren Weg konsequent weiterzugehen.
Kinderrechte wurden zu einem festen Bestandteil unserer Haltung
Während unserer Qualitätsentwicklung rückte ein Thema immer stärker in den Mittelpunkt unserer Arbeit: Kinderrechte.
Aus einzelnen Ideen entwickelte sich Schritt für Schritt eine feste pädagogische Haltung. Regelmäßige Kinderkonferenzen entstanden, Kindersprechstunden wurden eingeführt, ebenso ein Beschwerdemanagement für Kinder und viele weitere Beteiligungsformen. Uns war wichtig, dass Kinder nicht nur theoretisch von ihren Rechten hören, sondern diese im Alltag tatsächlich erleben.
Kinder sollten erfahren: „Meine Meinung zählt. Ich werde gehört. Ich bin wichtig.“ Gleichzeitig wollten wir Kinderrechte nicht nur innerhalb unserer Kita leben, sondern sie auch für Familien, für die Gemeinde und für alle Menschen in unserer Gemeinschaft sichtbar machen.
Aus dieser Idee entstand nach langer Planung unser großes „Kinderrechtefest“, das am 10.05.2025 in und rund um die katholische Kirche St. Laurentius in Gundheim stattfand. Ganz bewusst wählten wir diesen Ort als Platz der Begegnung für alle Menschen unserer Gemeinschaft.
In der bunt geschmückten Kirche wurde das Fest zu einem lebendigen Zeichen dafür, wie Kinderrechte gemeinsam erlebt und gestaltet werden können. Zahlreiche Institutionen, Familien und Ehrenamtliche beteiligten sich mit vielfältigen Angeboten.
Es gab Bastel- und Mitmachstände rund um Kinderrechte, „sprechende“ Pappfiguren mit Informationen zu einzelnen Rechten, Angebote der Kita-Sozialarbeit sowie Beratungsangebote von Kindern für Eltern. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste beteiligten sich ebenso mit eigenen Ständen. Viele Eltern und Familien brachten sich aktiv ein und machten das Fest zu etwas ganz Besonderem.
Besonders stolz sind wir auf die Beiträge unserer Vorschulkinder. Sie produzierten mehrere Filme, darunter einen Stop-Motion-Film zum Thema Kinderrechte, führten Interviews mit Seniorinnen und Senioren aus dem Ort und erkundeten ihre Gemeinde aus Kindersicht. Dabei zeigten sie auf, was ihnen im Ort gefällt, was sie verändern würden und welche Wünsche sie an die Gemeinde haben.
Aus diesen Begegnungen entstand ein wertvoller Austausch mit unserem Bürgermeister. Er besuchte die Kinder in der Kinderkonferenz, die Kinder wiederum ihn im Rathaus. Daraus entwickelte sich schließlich ein Kinderbriefkasten am Rathaus, über den alle Kinder der Gemeinde ihre Meinungen, Wünsche und Ideen mitteilen können.
Dass unser Kinderrechtefest weit über unsere Kita hinaus Aufmerksamkeit erhielt, machte uns besonders stolz. Durch Radiowerbung, Zeitungsberichte und die Einladung an alle Menschen der Gemeinde wurde das Fest zu einem großen gemeinsamen Erlebnis und zu einem vollen Erfolg.
Unsere Arbeit zum Thema Kinderrechte wurde in diesem Jahr gleich doppelt ausgezeichnet:
Mit dem Kinderrechtepreis Rheinland-Pfalz sowie mit dem Ketteler-Preis der Emmanuel von Ketteler-Stiftung in Mainz.
Diese Ehrungen bedeuten uns sehr viel. Sie zeigen uns, dass Kinderrechte nicht nur ein wichtiges gesellschaftliches Thema sind, sondern dass es sich lohnt, Kindern echte Beteiligung und eine echte Stimme zu ermöglichen.
Vom „Ich“ zum „Wir“ Gemeinschaft als Grundlage für Demokratie
Die intensive Auseinandersetzung mit Kinderrechten hat unsere pädagogische Haltung nachhaltig verändert und weiterentwickelt. Denn je stärker Kinder erfahren haben, dass ihre Meinung zählt, desto deutlicher wurde für uns auch ein weiterer wichtiger Auftrag: Kinder nicht nur in ihrer Individualität zu stärken, sondern sie gleichzeitig für Gemeinschaft, gegenseitigen Respekt und demokratisches Miteinander zu sensibilisieren.
Daraus entstand unser neuer Schwerpunkt „Gemeinschaft – vom Ich zum Wir“.
Uns ist wichtig, dass Kinder erleben:
„Ich bin wichtig. Ich habe Rechte. Meine Meinung zählt.“
Genauso wichtig ist jedoch auch die Erfahrung, dass andere Menschen dieselben Rechte besitzen, dass Rücksichtnahme notwendig ist und dass Gemeinschaft nur dort gelingen kann, wo Menschen einander zuhören, respektieren und Verantwortung füreinander übernehmen.
Demokratiebildung gehört für uns ganz klar zu unserem Bildungsauftrag. Wir leben gerne in einer demokratischen Gesellschaft und sind überzeugt: Wenn wir Demokratie auch in Zukunft bewahren möchten, muss der Grundstein dafür bereits in der frühen Kindheit gelegt werden.
Kinder müssen erleben dürfen, dass sie ernst genommen werden. Sie müssen erfahren, dass Beteiligung etwas bewirken kann. Gleichzeitig brauchen sie die Erfahrung, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Konflikte gemeinsam zu lösen, Kompromisse zu finden und Vielfalt als Bereicherung wahrzunehmen.
Genau diese Werte möchten wir Kindern mit auf ihren Weg geben. Denn wir glauben fest daran: Nur wenn Kinder lernen, sich selbst wertzuschätzen und gleichzeitig andere Menschen zu respektieren, können sie diese Haltung später als Erwachsene weiter in die Welt tragen.
Unsere Aufgabe als Kita sehen wir deshalb nicht nur darin, Kinder zu betreuen oder auf die Schule vorzubereiten. Wir möchten sie darin begleiten, zu starken, empathischen und verantwortungsvollen Menschen heranzuwachsen. Zu Menschen, die Gemeinschaft mitgestalten und Demokratie leben können.
Warum uns die Nominierung so viel bedeutet
All diese Erfahrungen, Entwicklungen und Begegnungen haben uns schließlich dazu motiviert, uns für den Deutschen Kita-Preis 2026 zu bewerben.
Wir möchten zeigen, wie wichtig es ist, Kindern zuzuhören, sie ernst zu nehmen und gemeinsam mit Familien und Gemeinschaft Zukunft zu gestalten.
Wenn wir heute auf die vergangenen vier Jahre zurückblicken, wird uns bewusst, wie schnell diese Zeit vergangen ist und wie viel Entwicklung, Veränderung und gemeinsames Wachstum in dieser vergleichsweise kurzen Zeit entstanden sind.
Dass wir nun bereits zu den letzten 15 Kitas Deutschlands gehören, macht uns und unsere Kinder überglücklich. Diese Nominierung ist für uns Motivation, Anerkennung und Ansporn zugleich.
Nun möchten wir gemeinsam mit unseren Kindern auch weiterhin überzeugen und hoffen sehr, den Deutschen Kita-Preis nach Hause holen zu dürfen.
Vor allem aber zeigt uns dieser Weg schon jetzt eines ganz deutlich:
Gemeinsam können wir Großes bewegen.
